Zu
meiner Person
Mein Name ist Holger
Heiß
Ich bin 30 Jahre alt
und trainiere seit 1992 WingTsung.
Was
ist Menschenkenntnis?
Nun erst mal zu diesem
Punkt, was ist Menschenkenntnis eigentlich?
Ist es das, dass man
jemanden nach seinem Äußeren bewertet, oder jemanden nach seiner Aussprache, seinen
Bewegungen oder dessen Gang einschätzt?
Ich denke dies gehört
alles zu den Kriterien die man in sich aufnimmt um den Menschen zu bewerten. Die
Wissenschaft sieht 4 Grundcharaktere, den Phlegmatiker, der e den Choleriker, den
Melancholiker und den Sanguiniker. Der Psychiater Ernst Kretschmer unterteilt die
einzelnen Charaktere nach dem Körperbau auch in 4 verschiedene Typen:
Leptosomer Typ,
Pyknischer Typ,
Athletischer Typ,
Dysplastischer Typ.
Meiner Meinung nach
ist die Einteilung bzw. Zuordnung zu den verschiedenen Typen oder Charaktergruppen nicht
so entscheidend, doch ist Interessant, dass der Körperbau schon einen Rückschluss auf
den Charakter zulässt.
Die Menschenkenntnis
ist eine Innere Bewertung von allen Signalen die bewusst, aber meist unterbewusst von
jedem ausgesendet werden.
Wenn wir die Signale
aufnehmen und vor allem dann richtig verarbeiten, wird in kürzester Zeit eine Bewertung
möglich und wir können so den richtigen Umgang mit dem anderen Menschen finden. In
gewissem Maße lernt man dies schon als Kind und führt das somit das ganze leben weiter.
Die Signale die man
aufnimmt sind dabei nicht nur äußerliche wie z.B.:
Der Gang,
die Aussprache,
der Haarschnitt,
seine Gestik,
die Mimik,
die Pflege seines
Äußeren,
sondern auch die
Signale aus seinem Inneren, wie z.B.:
Der freundliche oder
hasserfüllte Blick,
die Art und Weise wie
er sich präsentiert,
die Stimmlage ( laut,
schreiend oder leise ).
Diese, und viele
andere Kleinigkeiten nehmen wir bei jedem Kontakt mit einer anderen Person auf und
verarbeiten diese blitzschnell und sollten somit in der Lage sein, richtig mit der
Gefühlslage des Anderen umzugehen.
Die Gefühlslage zu
Bewerten ist oft sehr wichtig, wenn man z.B. jemanden nicht kränken will, wie folgendes
Beispiel zeigt:
Du triffst eine dir
bekannte Person die bitterlich weint, die normale Reaktion wäre, zu fragen was ist
passiert wie kann ich helfen? Doch du frägst, hey wer ist den bei dir gestorben?
Ganz klar das diese
Frage nicht gut ankommt und die Gefühlslage eher verschlechtert.
Wie
kann man Menschenkenntnis lernen?
So, wie kann man nun
lernen, diese Signale richtig zu erkennen?
Ich glaube, man
braucht eine gewisse Lebenserfahrung, mit der man einen gewissen Blick für die
verschiedenen Signale bekommt.
Wenn man aber nicht so
lange warten will oder kann (Selbstverteidigung!), muss man eben etwas tun um dies zu
erlernen.
Man muss sich nur mal
klarmachen, welche verschiedene Charaktere bzw. Menschentypen es gibt, davon scheiden
schon mal ein paar aus, die eine typische Selbstverteidigungssituation provozieren. Ein
ruhiger phlegmatischer Mensch wird kaum zu einem provozierenden Schläger mutieren.
Wenn ich nun einen
Menschen einschätzen möchte, muss man diesen einem Charaktertypen zuordnen, aber noch
wichtiger, man muss auf alle kleinen Gesten, Ausdrücke im Gesicht, die Stimmlage und sein
Inneres achten. Kann man diese Punkte nun alle auswerten, hat man ein einfaches Bild von
seinem Gegenüber, wie er sich in verschiedenen Situationen verhalten wird, oder wie er
auf mich reagiert.
Es dauert lange bis so
eine Analyse einigermaßen funktioniert, man braucht viel Übung. Auch macht man sich oft
ein falsches Bild des anderen, was dann zu falschen Entscheidungen führen kann.
Auch
ich sende Signale aus, die andere einschätzen müssen.
In bezug auf die
Selbstverteidigung muss ich aufpassen, nicht ebenfalls Signale auszusenden, die meinem
Provokant einen Grund geben mehr aggressiv zu werden oder sogar anzugreifen. D.h. ich
sollte mit normaler Stimmlage ruhig und nicht ängstlich, oder sogar aggressiv, schreiend
mit dem Aggressor sprechen. Genauso sollte meine Gestik nicht provozieren, z.B. meine
geballten Fäuste in Vorkampfstellung. Denn der Aggressor nimmt meine Signale genauso wie
ich seine auf und entscheidet für sich wie er auf mich reagieren soll.
Ich versuche also
permanent, mich so zu geben, dass eine Stresssituation nicht eskaliert.
Kann
man sich auf die Menschenkenntnis verlassen?
Nicht immer kann man
im Voraus sagen oder spüren, was ein anderer macht, bzw. wie er reagiert. In
Extremsituationen z.B. ist es gar möglich, dass sich jemand so verhält, wie man es nie
für möglich gehalten hätte. Beispiel: Eine vorbildliche Mutter schweigt und sieht zu,
wie Ihr kleines Kind von Ihrem Mann misshandelt wird. So geschehen irgendwo in
Deutschland. Die normale Reaktion wäre doch irgendwie dazwischenzugehen, und den Mann
zumindest bei der Polizei anzuzeigen, die Mutter dagegen schützte diesen Mann noch.
Vor dieser Situation
hätte niemand gedacht, dass die Frau so reagieren würde. Wenn Drogen im Spiel sind, kann
eine Reaktion, bzw. eine Einschätzung des Gegenübers nur sehr schwer erfolgen, denn
durch Drogen sind die meisten Einschätzungen mit Sicherheit fehlerhaft.
Die Reaktionen können
heftigst in die eine oder andere Richtung des Extremen laufen. So z.B. kann ein unter
Drogeneinfluss stehender auf einen einfachen, versehentlichen Rämmpler" so
ausflippen, das er den Kerl einfach absticht".
Im Allgemeinen aber,
so denke ich, ist die Menschenkenntnis, im Sinne dieser Arbeit, eine gute und wichtige
Hilfe, einen Menschen einzuschätzen.
Wozu
ist Menschenkenntnis überhaupt notwendig?
Ist sie den überhaupt
notwendig, ich denke nicht, doch eine kleine Hilfe im Umgang mit anderen Menschen ist sie
doch.
Um eine
Selbstverteidigungssituation zu vermeiden, ist Menschenkenntnis sehr hilfreich.
Wenn mir ein grimmig
schauender angetrunkener pöbelnder Mensch in auf einem dunklen Straße begegnet, kann ich
die Zeichen sehen, auswerten und die Straßenseite wechseln, bevor ich hier in eine
unschöne Situation verwickelt werde. Hier hilft die Menschenkenntnis, bevor ich mit
jemandem Gesprochen habe.
Und
wozu ist Menschenkenntnis in der Selbstverteidigung notwendig?
Ich denke die
Menschenkenntnis in der Selbstverteidigung fängt schon bei der Wahl des richtigen Lehrers
für eine Kampfkunst an, denn in dieser Branche gibt es viele Charlatane, und
charakterlich eher nicht zu diesem Beruf/Hobby geeignete Lehrer. Jedoch muss man sagen,
ist es für einen Anfänger schwer, bis vielleicht sogar unmöglich, so etwas gleich zu
erkennen.
Wie ich bisher
versucht habe aufzuzeigen, kann ich also eine Selbstverteidigungssituation von vorneherein
umgehen, wenn ich frühzeitig die Zeichen deute.
In einer
Stresssituation kann ich richtig entscheiden, wie ich reagiere. Wenn ich dumm angemacht
werde, Schreie ich zurück und kann dem Gegner dadurch die Schneid" abkaufen,
oder versuche ich eher ruhig und gelassen zu deeskalieren. In beiden Fällen kann eine
falsche Entscheidung zum Kampf führen. Der angeschriene Aggressor lässt sich entgegen
meiner Einschätzung dadurch nicht einschüchtern, sonder fühlt sich noch mehr provoziert
und schlägt zu, der andere Fall kann den Aggressor noch mehr ermutigen anzugreifen, da er
meint ein schwaches Opfer gefunden zu haben und damit leichtes Spiel hat, er schlägt zu.
Deshalb ist es
äußerst wichtig eine gute Menschenkenntnis zu entwickeln um dadurch leichter die
richtigen Entscheidungen in den verschiedenen Vorkampfsituationen zu treffen.
Durch Menschenkenntnis
kann ich vielleicht auch feststellen wie weit ein Angreifer gehen will. Will er sich nur
schlagen, oder will er mich ernsthaft verletzen oder sogar töten. Kann er diese
Entscheidungen selbst überhaupt noch treffen oder ist er schon in einem solchen
Aggressionszustand, das er alle Mittel die zum Sieg führen einsetzen wird?
Die Menschenkenntnis
ist unter Umständen entscheidend über den weiteren verlauf der Situation. Reagiere ich
richtig auf meinen Gegenüber lässt sich sein Handeln in gewissen maß vorhersehen.
Schlusswort
Wie ich versucht habe
darzustellen, ist die Menschenkenntnis in Bezug auf die Selbstverteidigung von großer
Bedeutung,
Man kann dadurch
Kämpfe vermeiden, oder sogar Gefahrensituationen vorhersehen, und dadurch eine richtige
Entscheidung treffen, die dann zur Folge haben, dass ein Kampf nicht notwendig wird.
Ich denke der
Verbesserung der Menschenkenntnis sollte man wesentlich mehr Zeit widmen, das kann
ständig im Umgang mit Menschen geschehen, wenn man sich nur bewusster damit beschäftigt.
Denn es gilt immer
noch der Vorsatz, ein nichtgeführter Kampf ist der beste Kampf, und wenn durch die
bessere Menschenkenntnis ein Kampf vermieden werden kann, so ist das doch viel Wert. Ist
ein Kampf doch immer mit der Gefahr, die eigene Gesundheit oder die des Angreifers zu
ruinieren.
In diesem Sinne hoffe
ich, das Thema Menschenkenntnis, etwas besser verständlich gemacht zu haben.